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Hummeln und Wildbienen im Garten

Wird von gefährdeten Arten in der Tier- und Pflanzenwelt gesprochen, so denkt jeder zunächst an spektakuläre Großtiere, Vögel oder Pflanzen wie z.B. Orchideen. Aber nicht nur sie sind inzwischen gefährdet, sondern auch wesentlich unscheinbarere Spezies aus der Insektenwelt wie Wildbienen und solitär lebende Wespen sind auf der Roten Liste bedrohter Tierarten zu finden. Einleuchtend wird dieser Rückgang, wenn man sich vor Augen führt, dass sowohl von ihnen bevorzugte Futterpflanzen, als auch angestammte Brutstätten dieser Hautflügler immer weniger in unserer Umgebung zu finden sind. In den gepflegten Gärten werden heute nicht blühende Gehölze oder Blumen mit auffällig großen aber wenig Nektar tragenden, gar in vielen Fällen für die Insekten unzugänglichen gefüllten Blüten bevorzugt. Außerdem sind beliebte Brutstätten, wie natürliches Lehmfachwerk und Holz an Häusern und Ställen, altes und morsches Holz sowie Ritzen im Mauerwerk oder mit Schilfrohr gedeckte Häuser, immer seltener geworden. Führt man sich vor Augen, dass Hummeln im zeitigen Frühjahr bereits bei einer Außentemperatur von 3 bis 5 Grad auf Nektarsuche gehen und somit Pflanzen, Sträucher und Bäume bestäuben oder aber im Fall der Einsiedlerwespen zur Zeit der Aufzucht Pflanzenläuse, Raupen oder Erdspinnen einsammeln, ist der Nutzen dieser Insekten leicht erkennbar. Außerdem sind Beobachtungen wie die einzelnen weiblichen Bienen das verwitterte Holz nach Bruthöhlen für ihren Nachwuchs untersuchen, ein Nest bauen, Nahrungsvorräte, nämlich Blütenstaub und Nektar hineinschleppen und nach der Eiablage sorgfältig verschließen, aus pädagogischer Sicht wertvoll – nur wer die Natur kennt, wird sie schützen. Daher ist es wichtig, diesen recht unscheinbaren Tieren mit geeigneten Maßnahmen unsere Unterstützung zukommen zu lassen.
Neben entsprechender Bepflanzung unserer Gärten durch blühende Sträucher oder besonders viel Tracht tragende Blumen und Stauden, ist es leicht möglich, mittels verschiedener Nisthilfen Hummeln, Wildbienen und Wespen im Garten, auf dem Balkon oder an anderer Stelle Brutmöglichkeiten zu bieten und somit wieder anzusiedeln. Als geeignet für den Bau solcher künstlicher Brutröhren für Wildbienen zeigen sich besonders Bambus aber auch Holunder oder Schilf. Ihre hohlen Stängel mit Durchmessern zwischen 3 und 8 mm gewährleisten Unterschlupf für verschiedene Wespen- und Bienenarten. Auf eine Länge von ca. 10 bis 20 cm jeweils am Knoten geschnitten, werden diese Röhren handlich gebündelt in einem Rahmen aus Holzbrettern oder in Konservendosen geschichtet untergebracht. Eine weitere Möglichkeit zur Erstellung von Niströhren, besteht darin, Kanthölzer mit verschiedenen Bohrungen mit einem Durchmesser von 2 bis 10 mm zu versehen. Diese Nistgänge, in einem Abstand von 10 bis 15 mm angebracht, bieten den verschiedensten Wildbienenarten Unterkunft. Harthölzer, die auf keinen Fall vorher chemisch behandelt sein sollten, werden hierbei bevorzugt. Eiche, Rotbuche oder Esche, aber auch Kiefer und anderes Holz eignen sich dafür. Wichtig ist es, den Staub aus den je nach Durchmesser 4 bis 10 cm langen Bohrungen zu klopfen, damit die Hölzer von den Bienen angenommen werden. Sind sie einmal bewohnt, tragen die Wildbienen selber Sorge für die Reinigung bei Neubezug. Bei einer Kombination verschiedener Materialien zu einem größeren Verbund dieser Bruthilfen innerhalb eines größeren Kastens oder gar kompletten Wand, bietet sich auch ein Einbau von Ziegelsteinen mit kleinen Öffnungen an. Sie sorgen für nachhaltige Wärme, da sie die tagsüber gespeicherte Wärme langsam wieder abgeben. Der gleiche Effekt kann mit integrierten Lehmfeldern gewonnen werden. Außerdem dienen sie, wie auch ungebohrtes morsches Holz, den Bienen- und Wespenarten, die es vorziehen, die Brutgänge für ihre Nachzucht selber zu erstellen. Solche Nisthilfen werden dann, vorausgesetzt im Frühling gern angenommen – ein sonniger Platz im Garten und eine leichte Neigung der Röhren, damit keine Feuchtigkeit bei Regenwetter in die Brutstätten gelangen kann. Emsig besuchen die Tiere dann die verschiedensten Blüten und bringen immer wieder Blütenpollen in die kleinen Brutröhren. In diesen Nahrungsvorrat legt das Weibchen ein kleines Ei, das sich dann zur Larve entwickelt und danach den gesammelten Vorrat restlos verzehrt. Einige Arten, vor allem einzeln lebende Wespen, legen zur Aufzucht der Jungen anstelle von Blütenpollen einen Vorrat an Blattläusen oder kleinen Raupen an. Drei oder vier solcher in sich abgeschlossener Vorratskammern können sich hintereinander in einer Röhre befinden, bevor das Einflugloch verschlossen wird. Je nach verwendetem Verschlussmaterial, wie Sand, Lehm, Holzstückchen oder Harz erkennen Fachleute, welcher Art die jeweiligen Bewohner angehören. Innerhalb eines Kokons bleibt der Nachwuchs bis zum Frühjahr in der Brutröhre, und die Frühlingssonne des darauffolgenden Jahres bewirkt das letzte Entwicklungsstadium zur ausgewachsenen Wildbiene. Bevor die jungen Bienen jedoch an das Licht der Sonne gelangen, müssen sie mit ihren scharfen Mundwerkzeugen den Deckel der Röhre öffnen, der sie bis dahin ca. 10 Monate lang geschützt hat. An dieser Entwicklung des Bienennachwuchses ist leicht zu erkennen, dass diese Tiere unempfindlich gegen Frost sind und die Wochenstuben der Hautflügler unbedingt im Winter draußen bleiben müssen.
Aufmerksame Beobachter – keine Angst, die Weibchen können zwar stechen, sie tun es aber nur, wenn sie direkt bedroht werden, also zum Beispiel zwischen den Fingern gehalten oder mit dem bloßen Fuß getreten werden - entdecken während der unterschiedlichen Stadien des Brutgeschäftes weitere auffällige Arten an den Bruthilfen. So ist die metallisch bunt schillernde Goldwespe kaum zu übersehen. Geduldig lauert sie in der Nähe der Brutröhren, hin und wieder den Füllungsgrad der Vorratskammer kontrollierend, um dann bei Abwesenheit der entsprechenden Wirtsbiene kuckucksgleich ein eigenes Ei in die Röhre zu mogeln. Weitere Brutschmarotzer zeigen sich in den verschiedenen Arten der Schlupfwespe. Diese Tiere bohren mit ihrem feinen Legestachel durch die zementharten Deckel der verschlossenen Brutkammern, um die Larven der Biene anzustechen und dort eines ihrer Eier abzulegen, so dass sich ihr Nachwuchs von der Bienenbrut ernähren kann. Trotzdem ist der Fortbestand der Wirtsarten gesichert, da diese Wespen nur jeweils die vorderen Kammern erreichen und somit genügend Bienen überleben.
Die Hummeln verfügen über eine völlig unterschiedliche Brutbiologie. Zeitig im Frühjahr sind oft große Exemplare dicht über dem Erdboden fliegend zu sehen. Sie suchen Brutgelegenheiten, die sie meist in alten Mäusenestern aber auch in Vogelkästen in Nestresten aus dem Vorjahr – Vogelfreunde sollten aus diesem Grund nicht sämtliche Nistkästen im Winterhalbjahr gründlich reinigen - finden. Es sind Königinnen, die sich auf die Suche begeben und die vorgefundenen Nester kunstgerecht für die neue Brut herrichten. Das alte Mäusenest wird dabei zu einer Kugel geformt. Nach dem Eintrag von Nektar und Pollen auf eine zuvor wachsüberzogene Stelle, legt sie ihre Eier darauf, umbaut alles mit einem wächsernen Ringwall und verschließt endlich die also nachträglich angefertigte Brutzelle. Bald darauf öffnet die Königin die Zelle wieder, füttert die Brut weiter und baut nebenbei an neuen Zellen. Die nur halbwegs ernährten Larven verpuppen sich vorzeitig und entwickeln sich zu vergleichsweise kleinen Arbeiterinnen. Diese helfen dann der Königin, indem sie den Vorrat an Pollen und Nektar besorgen, während sich die Königin immer mehr nur noch auf die Eiablage konzentriert. Somit können im Laufe eines Sommers nach und nach bis zu 500 Hummeln aus einem Nest fliegen. Die im Sommer ausschlüpfenden Hummeln sind dann große und kräftige Weibchen, die, nachdem sie von den Drohnen begattet wurden, die nächste Generation von Königinnen im darauffolgenden Jahr darstellen.
Da es diesen dann oftmals wegen der durch schwere Walzen gefestigten Wiesenböden und maschinell bearbeiteten Grabenböschungen an geeigneten Brutstätten mangelt, kann ihnen durch künstliche Nistmöglichkeiten geholfen werden. Diese Nistkästen für Hummeln sind den natürlichen Höhlen nachempfunden. In die mit kleinen Einfluglöchern versehenen Holzkästen mit den Abmaßen 38x38x35 cm wird ein etwa zwei Zentimeter kleinerer Pappkarton so eingefügt, dass an drei Seiten eine kleine Luftschicht entsteht, die der Belüftung dient. Am Boden des Pappkartons wird mittels Polsterwolle, feinen Holzspänen oder Kleintierstreu ein Mausenest nachgebildet. Die Kästen sind möglichst bodennah mit Einflugloch in östlicher Richtung aufzustellen. Jetzt können nestsuchende Hummelköniginnen von Hand gefangen und in das künstliche Nest geleitet werden. Stimmen die Rahmenbedingungen und gefällt einer Königin das Nest, besteht eine gute Chance, dass sie dort sesshaft wird.
Die vorangegangenen Erläuterungen und Schilderungen sollen Sie dazu animieren, bei der Gestaltung Ihres Gartens neben den Vögeln auch an Wildbienen und Hummeln zu denken. Die aktive Unterstützung dieser Hautflügler bedeutet einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung und beschert Ihnen sicherlich so manche äußerst interessante Naturbeobachtung.