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Kanarienzucht


Wird ein Kanarienvogel in der Wohnung gehalten, hat er in erster Linie den Job übernommen, uns den tristen Alltag mit seinem abwechselungsreichen Gesang zu verschönern. Im Regelfall wird er nie zur Fortpflanzung gelangen.
Hat man sich nun als Vogelliebhaber dazu entschlossen, sich der Zucht von Kanarien zu widmen, sind auch hier ein paar Dinge für ein erfolgreiches Gelingen dieses Vorhabens zu beachten.
Auch wenn viele Züchter von Großsittichen und Papageien oder anderer heikler Vogelarten die Kanarienzüchter belächeln und so tun, als ob sich diese wie die sprichwörtlichen " Ratten " vermehren lassen, ist es doch nicht ganz so einfach, wie mancher sich die Zucht vorstellt. Auch hier muss man sich sehr intensiv mit der Kreatur Vogel beschäftigen. Bei weitem nicht jede Brut ist mit Erfolg gekrönt. Man hat ebenfalls mit der Befruchtung der Gelege, der richtigen Aufzucht sowie der richtigen Fütterung während der Mauser zu kämpfen. In einem Jahr ist es dieses Problem, im anderen Jahr wieder ein anderes.
Es kann dabei Zuchtjahre geben, wo der Verlust von Jungtieren eine Höhe erreicht, die einem die Tränen in die Augen steigen lassen. Der Vorteil bei der Kanarienzucht ist aber der, dass sie bereits seit über 500 Generationen ( Geschlechtsreife 1 Jahr) in Menschenobhut durchgeführt wird und so entsprechende Erfahrungen vorliegen. Vielleicht gelingen ja den Ara-Züchtern in 500 Jahren ähnlich hohe Nachzuchterfolge. Die statistischen Zahlen von Nachzuchterhebungen der letzten Jahre, sowie der Preisverfall bei manchen Arten, speziell bei einigen Großsittichen, untermauern diese These.
Die Kanarienzucht und -haltung ist, wenn man mehrere Paare besitzt und dann auch noch spezielle Zuchtziele verfolgt, ein zeitaufwendiges Hobby, welches am Tag schnell einmal in Summe 1,5 Stunden in Anspruch nimmt.
Entschädigt wird man aber dadurch, dass man, sicherlich auch bedingt durch diese 500 Jahre lange Domestikation, an ihrer Brut und Aufzucht teilhaben kann, ohne dass sie sich von uns gestört fühlen.
Jeder Züchter hat dabei wohl im Laufe seiner " Zuchterfolge " , neben dem Erfahrungsaustausch mit anderen Züchtern und dem Lesen von Literatur, auch noch seine eigenen " Rezepte " entwickelt.

1. Zuchtraum und Zuchtkäfige
Nachdem ich bis 1987 in einer Gemeinschaftsvoliere neben Buchfinken und anderen " Waldvögeln" mit mäßigem Zuchterfolg ca. 15 Kanarien gehalten habe, nahm ich mir vor, die Zucht von Kanarien zu intensivieren. Ich entschied mich für achatrote Kanarien, einer Farbkanarienrasse, von derzeit über 200 möglichen Farbvarianten, die neben der roten Farbe auch bestimmte Melanineigenschaften in ihrem Federkleid aufweisen sollten.
Da ich bis dato eigentlich mit recht geringem Erfolg meine Kanarien zur Zucht gebracht hatte, war es sicherlich der richtige Schritt mich 1989 dem Vogelverein Friedrichsdorf und Umgebung anzuschließen. Hier hatte ich das erste Forum meine Erfahrungen mit anderen Züchtern auszutauschen und entsprechend zu lernen.
Um aber auch bessere räumliche Voraussetzungen zu erhalten, baute ich in der Verlängerung unserer Garage eine neue Zuchtanlage. Sie besitzt neben einem mit 24 Zuchtboxen bestückten Zuchtraum, abgetrennt noch 4 große " Freiflüge " mit den Abmaßen 2,1 m Höhe, 1,1 m Breite und 2,0 m Tiefe. Der letzte Flug ist noch durch ein Flugloch mit einer 3,5 tiefen und 2,5 m breiten , komplett überdachten Aussenvoliere verbunden. Durch eine gute Wärmeisolierung an Wand und Dach ist auch hier eine frostfreie Überwinterung gewährleistet.
Der Zuchtraum ist mit einer stufenlos regelbaren Strahlenheizung ausgestattet. Weiterhin sind auf der Westseite größere Fenster eingebracht. Die Zuchtkäfige besitzen die Mindestmaße von 50 cm Breite, 40 cm Höhe und 40 cm Tiefe. Wobei bei den kleineren Zuchtkäfigen das Zuchtverfahren mit sogenannten Wechselhecken ( 1Hahn für mehrere Weibchen) angewandt wird. Da aber diese Wechselhecke m.E. mehr Zeitaufwand für den Züchter bedeuten und obendrein noch eine schlechtere Befruchtungsrate aufweisen, gehe ich dazu über sukzessive die klein-eren Käfige auszutauschen, um möglichst paarweise züchten zu können. Die Zuchtkäfige sind alle mit Aussenfütterung sowie einer Nistkastentür, für das Aufhängen der Kaisernester von Außen, bestückt.
Bevor die Vögel eingesetzt werden, erfolgt noch eine Generalreinigung mit anschließender Desinfektion.
Die Zuchtkäfige erhalten Vogelsand als Bodenbelag und in den Freiflügen werden gereinigte Hobbelspäne ( Pferdebedarf) ausgebereitet.
Zur Luftverbesserung (Stichwort Federstaub und Allergien) habe ich einen Ionisator eingesetzt, der bewirkt, dass sich der Staub schnellsten auf die Erde ablagert.

2. Vorbereitung der Zuchtvögel

Die Kanarienhähne werden Mitte / Ende Januar in die Zuchtstube geholt. Die Temperatur zur Zuchtbeginn beträgt circa 15 °C. die Luftfeuchtigkeit circa.65 % und die Lichtdauer ca. 11 Stunden am Tag. Da erfahrungsgemäß die Hähne etwas mehr Zeit bis zur Zuchtreife benötigen als die Weibchen, ist dieses auch absolut erforderlich.
Etwa 3 Wochen später kommen die Weibchen aus den Freiflügen in die Boxen. Da die Brutbereitschaft im wesentlichen auch über die Lichtdauer gesteuert wird, verlängert man nun jeden Tag die Lichtdauer um 15 Minuten, bis 14 Stunden am Tag erreicht sind.
Das Thermostat der Strahlenheizung wird nun auf 18 °C gestellt.
In der Regel fangen die Weibchen schon nach 1 Woche an Nistmaterial zu suchen, welches im Anfang aus Moos und feinen Gräsern unseres Rasens (Stabilität) besteht und anschließend zur Auspolsterung aus Scharpie (kleine Baumwollfäden). Wenn man sich die Struktur der Nester in der Natur betrachtet wie zum Beispiel die der Meisen, sind diese ähnlich aufgebaut.
Zum normalen Kanarienmischfutter wird jetzt auch ein Aufzuchtfutter gereicht. Weiterhin erhalten die Vögel über das Wasser regelmäßig ein Multivitaminpräparat sowie zusätzlich, für die bessere Befruchtung, Vitamin E.
Das ganze Jahr hinweg füttere ich meinen Kanarienvögeln Grünfutter und Obst nach Saison. Das heißt in erster Linie die über alles geliebte Vogelmiere, Löwenzahnblätter, rote Beete, Gurken sowie Äpfel und Birnen, alles selbstverständlich ungespritzt und möglichst aus eigenem Garten. Außerdem stehen ihnen jederzeit Sepiaschalen und ein Gritgemisch zur freien Verfügung.
In der Zucht befindliche Vögel bekommen circa jeden 2.Tag die Gelegenheit ein Bad zu nehmen, wovon sie immer Gebrauch machen

3. Der Brutverlauf
Im Vorfeld der Zucht macht man sich natürlich schon viele Gedanken, welche Vögel zur Zucht zusammen-gesetzt werden können. Wenn man auf einen bestimmten Standard hinzüchtet, ist es sicherlich hilfreich diesen zu Rate zu ziehen und seine Zuchtvögeln mit diesen und den Bewertungen zu vergleichen. Aber auch die Vererbungsregeln können bei manchen Kanarienrassen z.B. bei einer geschlechtsgebunden Vererbung eine große Rolle spielen. Weiterhin sollte man wissen, dass bei den Kanarien 2 verschiedene Gefiedertypen vorherrschen. Sie nennt man die "Intensiv- " und die " Schimmelvögel ".
Bei den Intensiven leuchten die Farben, bedingt durch den schmaleren Federtyp, bis in die Federspitzen erheblich mehr als die der Schimmeltypen.
Verpaart man nun 2 Vögel, die beide sehr schmale Federn aufweisen, kann es durch einen vorhandenen Letalfaktor schon zum Absterben im Ei kommen und die " Überlebenden " weisen in Extremfällen so schmale Federn auf, dass durch die entstandenen Lücken im Gefieder der Standard nicht mehr zutrifft.
Das Gegenteil wäre der Fall, wenn man 2 Vögel mit sehr breiten Federn verpaart. Zwar kommt hier im allgemeinen kein Letalfaktor vor, aber die Gefieder der Jungvögel sind u.U. so lose und breit, dass schon eine auf den ersten Blick erkennbare Disharmonie hervorsticht.
Bei der Auswahl der Zuchtpaare werde ich noch durch mein computergeführtes Zuchtbuch unterstützt. Dadurch ist es mir möglich einen Stammbaum von 6 Generationen anzuzeigen und vermeide so eine direkte Inzucht . Lediglich eine Verwandschaftszucht, mit mindestens einer Generation fremden Blut dazwischen, wird von mir zugelassen.
Nachdem nun das Weibchen, bei Paarzucht teilweise mit Unterstützung des Hahns, ihr Kugelnest gebaut hat, wird nun bei einer Wechselhecken der Hahn hinzugesetzt.
Jetzt ist darauf zu achten, dass beide harmonisieren. Häufig kommt es aber vor, dass einer von beiden so aggressiv gegenüber dem Partner ist, dass es zu heftigen Streitereien kommt, wobei sie sich teilweise wie die " Kesselflicker " bekämpfen. In diesem Fall bleibt einem nichts anderes übrig als für dieses Jahr die Zusammenstellung zu ändern und auf neue " Partnersuche " zu gehen.
Wenn ein Paar von Anfang an zusammen ist, kommen derartige Verhaltensweisen wesentlich seltener vor.
Bei einem harmonisierenden Paar kann man oft die ganze Bandbreite vom Füttern, Balzen, Ansingen und Kopulation beobachten, so dass in diesem Fall in der Regel eine gute Befruchtung stattfindet.
Nach der Eiablage, die meistens in den Morgenstunden bis 8 Uhr erfolgt, wird das Ei entnommen und durch ein Kunststoffei ersetzt. Durch die Domestikation fangen Kanarien nicht mehr wie die Urahnen, die Kanarengirlitze, erst bei kompletten Gelege anzubrüten, sondern beginnen damit sofort.
Eigentlich wäre diese noch gar nicht so schlimm, wenn sie nicht auch, wie auch alle Girlitzarten und andere Cardueliden-Finkenvögel, die Eigenschaft besäßen, im Gegensatz zu den " Krummschnäbeln" , den Schnabel als erstes zu stopfen, der am weitesten und höchsten aufgerissen wird. Das bedeutet bei sofortigem Brutbeginn keine Chancengleichheit mehr für die Jüngeren. Deshalb werden die Eier nach dem dritten, da Kanarien meistens 4 Eier legen, wieder untergelegt.
Die Eiablage findet im Abstand von einem Tag statt.
Nun heißt es ca.13 -14 Tage warten. Während dieser Zeit sitzt das Weibchen im Normalfall sehr fest auf ihrem Gelege und lässt sich selbst bei Nestkontrollen nur schwer davon trennen. Bei der Paarzucht wird das Weibchen auf dem Nest vom Hahn gefüttert.
Das Brutgeschäft übernimmt das Weibchen alleine. Nur deshalb ist es möglich, dass sie in den Wechselhecken die Aufzucht auch alleine durchführen kann.
Ab dem 5 - 7 Tag, nach dem Beginn der Brut, kann man die Eier mittels einer kleinen Schierlampe
durchleuchten und man erkennt bei Befruchtung Bewegungen im Ei.
Während der Brutzeit wird kein Ei- und Grünfutter verabreicht, da das Weibchen durch einen erhöhten Kotdrang zu oft vom Nest müsste.

4. Die Aufzucht
Zwei Tage vor dem Schlupf wird im Heizungskeller das Keimfutter vorbereitet. Keimfutter hat einen bedeutend höheren Vitamingehalt und es scheint den Kanarien auch sehr gut zu schmecken, da es gerne gefressen wird.
Zur Keimfutterherstellung verwende ich nur Rübsensaat, die nach 12 Stunden aufquellen im Wasser einer kräftigen Spülung unterzogen wird. Nach weiteren 12 Stunden Quellzeit und weiterem Spülgang, erhält nun die Saat 24 Stunden Zeit in einem Küchen-sieb aus Kunststoff, mit einer Plastiktüte geschlossen, zu keimen.
Vor dem Verfüttern muss dieses Keimfutter nochmals sauber gespült werden. Anschließend wird es unter das Aufzuchtfutter gemischt, wodurch dieses dann leicht feucht und daher besser angenommen wird.
Das Aufzuchtfutter (Eifutter) wird nicht von mir selber hergestellt. Diese Arbeit spare ich mir, denn die Qualität der zu kaufenden Produkte ist wirklich als sehr gut zu bezeichnen.
Wie gut die Eltern ihre Jungen füttern, ist bei den Nestkontrollen am Kropf der Jungen zu erkennen.
Sollte es trotz guter Zuchtauslese (Elterneigenschaften) dennoch passieren, dass eine Henne zu
fest sitzt und dann auch die Jungen schlecht füttert, setze ich diese in andere Nester um (auf gleiche Größe achten) , wobei diese im Normalfall auch von den Ammen mitgefüttert werden. Sollte dieses bei einem Weibchen zum wiederholten mal vorkommen, ist eine Notiz im Zuchtbuch fällig und ich schließe sie und die weiblichen Nachkommen von zukünftigen Zuchten aus. Bis zum 7 Tag (meistens auch der Tag der Beringung) darf kein Grünfutter gegeben werden, da bis zu diesem Tag der Kot von den Eltern noch aus-getragen wird. Durch die Gabe von Grünfutter löst sich die Kothaut schneller auf und die Jungen liegen in ihrem Kot. Feuchtigkeit im warmen Nest bildet aber wiederum eine Brutstätte für Krankheitserreger.
Ab dem siebten Tag setzen sie dann ihren Kot über den Nestrand ab und das Füttern von Grünzeug macht nichts mehr aus. Trotzdem sollte dieses nach wie vor nur in Maßen verfüttert werden. Zu viel des Guten würde nur Durchfall verursachen und eine geschwächte Darmtätigkeit stellt für die Jungen im Nest sicherlich ein sehr großes Risiko dar.
Die beim Schlupf noch geschlossenen Augen öffnen sich etwa am 4.Tag.
Die ersten 10 Tage verfüttern die Eltern über-wiegend das Aufzucht- und Keimfutter. Dann wird mehr und mehr wieder das Körnerfutter gefressen. Etwa zu diesem Zeitpunkt hören die Jungen auch auf bei Nestkontrollen zu sperren.
Ab der dritten Woche verlassen die Jungen schon zu kleinen Exkursionen das Nest und beginnen langsam selber mit der Futteraufnahme.
Wenn die Schwänze ca. 3 cm lang sind (30-35 Tag), sind die Jungen in der Regel so futterfest, dass sie von den Elterntieren getrennt werden können.
Zu diesem Zeitpunkt hat das Weibchen, bei paarweiser Haltung, schon die nächste Brut begonnen. Die Jungen werden derweil vom Hahn weiter gefüttert.
Leider ist die Befruchtung des 2.Geleges nicht immer so gut. Anscheinend stören die anwesenden Jungen doch erheblich bei der Begattung. Dieses Problem wird sicherlich mit noch größeren Zuchtboxen wieder weniger auftreten.
Bei paarweiser Haltung lasse ich diese maximal 3 erfolgreiche Bruten absolvieren.
Ist das Weibchen " alleinerziehend " kommen maximal 2 Aufzuchten in Frage.

5. Absetz- und Mauserzeit
Nach dem Absetzen kommen die Jungen in einen Freiflug, wobei ich möglichst Reservehähne hinzu setze, die diesen dann zeigen können, wo sich die entsprechenden Futterplätze befinden.
Manchmal kommt es auch noch vor, dass dieser die Jungen noch füttert.
Langsam wird nun auch das Keimfutter ein wenig reduziert , so dass sie sich mehr und mehr auf Körner umstellen.
Im Alter von 6-8 Wochen setzt nun die Mauser ein, bei der im ersten Jahr nur das Kleingefieder gewechselt wird. Trotz guter Futtersorten, spezieller Mauserkost und Vitamingaben können hier einige Verluste der Jungtiere entstehen
Ist diese schwierige Zeit überstanden und wurden die Zugaben für eine bessere Ausfärbung gut angenommen, steht der Ausstellungssaison nichts mehr im Wege.
Auch in dieser Zeit kommt es fast jeden Tag zu einem Massenbad. Kanarien baden so gerne, dass die ersten beim Einlassen des Wassers in die Bade-schale bereits am Rand sitzen und heftig ihre Flügel bewegen.

6. Gesunderhaltung
Erhalten die Kanarien das ganze Jahr über eine aus-gewogene Ernährung, wird es in der Regel selten zu großen Problemen mit der Gesundheit kommen. Aber andererseits ist dieser kleine Vogel so empfindlich, dass kleinste Ungereimtheiten in der Pflege schon Er-krankungen herbeiführen können.
Erkennt man diese nicht sofort, ist es in den meisten Fällen am nächsten Tag schon zu spät. Sollte sich einmal das Allgemeinbefinden verschlechtern, muß man den Vogel sofort isolieren.
Naturheilmittel (siehe NaturheilPraxis von Bernard Dorenkamp) helfen meistens, wenn die Krankheit früh genug erkannt wurde. Auch sollte in extremen Fällen sofort ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, wobei es aber eigentlich nur Sinn macht, wenn sich dieser spezielle Kenntnisse über Ziervögel und etc. erworben hat. Zweimal im Jahr lasse ich vom gesamten Bestand eine Sammelkotprobe untersuchen. Sollten sich dann verstärkt z.B. Kokzidiosen oder dergleichen herausstellen, wird der gesamte Bestand behandelt.
Eine dieser Untersuchungen sollte Sinnvollerweise mind. 4 Wochen vor Beginn der Zuchtsaison liegen, damit eine eventuelle Behandlung die Zucht nicht be- bzw. sogar verhindert.
Um den Plagegeistern unserer Pfleglinge, wie rote Vogelmilbe, Federlinge, Grabmilben oder Futtermilben, Herr zu werden, setze ich auf " biologische Kampfstoffe " wie Exner Petguard, AgriNova und Biomaxan, die unseren Vögeln in keinster Weise schaden können.
Um die Grabmilben (Kalkbeine), die häufig bei älteren Vögeln auftritt, zu beseitigen, werden die betroffenen Stellen mit Balistol, einem rein biologischen Waffenreinigungsöl, eingerieben.
Damit die meist tödliche und hoch ansteckende Erkrankung mit Kanarienpocken erst gar nicht auftreten kann, impfe ich profilaktisch den ganzen Bestand im September/Oktober. Das Impfserum ist aber in Deutschland nur über eine Tierarzt zu beziehen.
Weiterhin stellt die tägliche Gabe von Frischwasser und das tägliche Auswechseln der Trinkbehälter einen entscheidenen Punkt für die Gesunderhaltung unserer Vögel dar. Gerade durch Bakterien in alten, abgestandenem Wasser sind m.E. die Gefahr für eine Darmerkrankung am größten.
Um die immense Flut zu waschender Futter- und Trinkbehälter bewältigen zu können, steht im Waschkeller extra eine Spülmaschine, die mind. jeden 2. Tag ihren Dienst aufnimmt.

7. Fazit
Dieser kurze Abriss meiner Zuchterfahrung mit Kanarienvögel kann natürlich nicht alles abdecken, was eine erfolgreiche Zucht ausmacht. Dazu gehören noch viele, viele andere kleine Dinge, die auch erst im Laufe der Jahre erkannt werden. Aber durch den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten,das Lesen von einschlägiger Fachliteratur und das Lesen aktueller Fachzeitschrifen wie den Vogelfreund, der Gefiederten Welt, um nur zwei von vielen zu nennen, wird die Zucht kontinuierlich von mehr Erfolg gekrönt.
Trotz des teilweisen hohen Zeitaufwandes für dieses intensive Hobby, möchte ich eigentlich, ehrlich gesagt bis auf die vielen Reinigungsarbeiten, keine Minute missen.
Es ist immer wieder spannend anzusehen, wie die kleinen, frisch geschlüpften Vögel sich innerhalb von 4 - 6 Wochen zu fliegenden Individuen entwickeln.

Heinrich Gerkens